Georg TorresLeserclub

Hinter den Kulissen · 02.09.2026

Warum ein Golfplatz der perfekte Tatort ist

Ein Golfplatz wirkt friedlich, gepflegt und beinahe vollkommen. Gerade deshalb eignet er sich hervorragend für einen Krimi. Wie aus Greens, mallorquinischer Landschaft und Immobilieninteressen der Schauplatz von „Tödliches Handicap“ entstand.

Golfplätze gehören zu den Orten, an denen auf den ersten Blick alles geordnet erscheint. Das Gras ist millimetergenau geschnitten, die Wege sind gepflegt, irgendwo fährt leise ein Golfcart vorbei. Zwischen Palmen, alten Olivenbäumen und den Bergen Mallorcas liegt eine Ruhe, die beinahe vollkommen wirkt.

Für einen Krimiautor ist genau das interessant.

Denn je makelloser die Oberfläche, desto spannender wird die Frage, was sich darunter verbirgt.

Ein Toter auf dem Grün

Als die ersten Gedanken zu „Tödliches Handicap“ entstanden, stand zunächst keine komplizierte Mordgeschichte im Mittelpunkt. Am Anfang war ein Bild:

Ein Golfplatz auf Mallorca am frühen Morgen. Noch kaum jemand unterwegs. Die Sonne steht tief. Ein Greenkeeper beginnt seine Arbeit – und auf dem Grün von Loch 18 liegt ein Toter.

Gerade dieser Gegensatz reizte mich. Ein Golfplatz ist normalerweise ein Ort der Freizeit, der Konzentration und des gesellschaftlichen Lebens. Plötzlich wird aus dieser kontrollierten Welt ein Tatort.

Und damit beginnt die eigentliche Frage: Wer bewegt sich in dieser Welt – und welche Interessen treffen dort aufeinander?

Golf ist nur die Oberfläche

„Tödliches Handicap“ sollte kein Golfroman mit einem Mord am Rand werden.

Der Golfplatz ist die Bühne. Dahinter öffnet sich eine ganz andere Welt.

Auf Mallorca treffen sehr unterschiedliche Interessen aufeinander: Menschen, die seit Generationen auf der Insel leben, internationale Käufer, Makler, Investoren und Projektentwickler. Grundstücke und Immobilien sind begehrt, die Preise hoch – und wo viel Geld im Spiel ist, entstehen Abhängigkeiten, Konkurrenz und Konflikte.

Diese Welt wollte ich mit der scheinbaren Ruhe des Golfplatzes verbinden.

Aus einem wirklichen Ort wird Fiktion

Das Titelbild dieses Beitrags ist ein Foto, das ich selbst auf Mallorca aufgenommen habe.

Solche Orte liefern Eindrücke, Farben und Atmosphäre. Im Roman selbst wollte ich mich aber nicht an einen real existierenden Golfclub binden.

Deshalb ist der Golfplatz der Geschichte fiktiv.

Das gibt mir die Freiheit, Wege, Gebäude, Spielbahnen und Entfernungen so anzulegen, wie die Handlung sie braucht. Gleichzeitig soll alles so wirken, dass ein Mallorca-Kenner denkt: Diesen Ort könnte es tatsächlich geben.

Für mich ist das eine der spannendsten Formen von Fiktion: erfunden – und trotzdem glaubwürdig.

Wenn man Orte plötzlich anders betrachtet

Beim Schreiben verändert sich der Blick auf einen Schauplatz.

Man fragt sich plötzlich nicht mehr nur, ob ein Golfplatz schön ist.

Man fragt sich:

Wann ist er fast menschenleer?
Wo fährt der Greenkeeper morgens entlang?
Welche Wege sind von bestimmten Punkten aus sichtbar?
Wie lange braucht ein Golfcart von einem Ende des Platzes zum anderen?
Und wo könnte sich jemand bewegen, ohne sofort bemerkt zu werden?

Das sind Fragen, bei denen man manchmal froh ist, wenn niemand wissen möchte, warum man sie eigentlich stellt.

Mallorca soll mehr sein als Kulisse

In meinen Mallorca-Krimis möchte ich die Insel nicht nur als schöne Postkartenlandschaft benutzen.

Mallorca ist voller Gegensätze: Tradition und Veränderung, Schönheit und Geschäft, alte Familien und neue Interessen, Ruhe und Konflikt.

Genau daraus entstehen Geschichten.

In „Rotwein im Blut“ führte der Weg in die Welt des Weins und einer alten Familiengeschichte.

In „Tödliches Handicap“ öffnet sich eine andere Tür: Golf, Immobilien und Interessen, die weit über den Sport hinausreichen.

Und deshalb beginnt der zweite Fall dort, wo eigentlich nur ein kleiner weißer Ball liegen sollte.

Auf dem Grün von Loch 18.

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