Am Anfang stand kein fertiger Plot, sondern ein Bild. Ein Golfplatz auf Mallorca am frühen Morgen. Gepflegte Fairways, tiefe Sonne, ein Greenkeeper bei seiner Arbeit – und auf dem Grün von Loch 18 liegt ein Toter. Dieser Kontrast zwischen makelloser Oberfläche und plötzlicher Gewalt war der Ausgangspunkt für „Tödliches Handicap“. Von dort aus begann sich die Geschichte zu entwickeln.
Golf ist nur die Bühne
Der Roman spielt zwar in der Welt des Golfsports, aber er sollte nie ein reiner Golfkrimi werden. Viel spannender war für mich das Umfeld dahinter: Immobilien, gesellschaftliche Interessen, wirtschaftlicher Druck und Menschen, die auf Mallorca sehr unterschiedliche Vorstellungen davon haben, wem die Insel gehört und wie sie sich entwickeln soll. Gerade dort, wo gepflegte Anlagen, Luxusimmobilien und viel Geld zusammentreffen, entstehen Abhängigkeiten, Rivalitäten und Konflikte. Der Golfplatz wird damit zur Bühne – aber nicht zum eigentlichen Thema.
Aus Beobachtungen wird Fiktion
Viele Eindrücke entstehen vor Ort. Wer auf Mallorca unterwegs ist, sieht nicht nur Landschaften, sondern auch Gegensätze: wunderschöne Anwesen neben Diskussionen über Wohnraum, exklusive Freizeitwelten neben alten Strukturen und neue Investoren neben Menschen, deren Familien seit Generationen auf der Insel leben. Für einen Roman sind solche Spannungsfelder besonders interessant.
Der Golfplatz im Buch bleibt dennoch bewusst fiktiv. Das gibt mir die Freiheit, Wege, Gebäude, Entfernungen und einzelne Spielbahnen so anzulegen, wie die Handlung sie braucht. Gleichzeitig soll sich der Ort so glaubwürdig anfühlen, dass Mallorca-Kenner denken könnten: Diesen Platz könnte es wirklich geben.
Recherche verändert den Blick
Beim Schreiben beginnt man Orte plötzlich anders zu betrachten. Man fragt sich nicht mehr nur, ob ein Golfplatz schön ist, sondern wie er funktioniert. Wann ist er fast leer? Welche Wege nutzt der Greenkeeper am Morgen? Wo sind Blicke möglich, wo gibt es tote Winkel? Wie lange braucht ein Golfcart von einem Ende des Platzes zum anderen? Welche Geräusche hört man – und welche vielleicht nicht?
Solche Fragen verändern die Wahrnehmung. Aus einem schönen Ort wird eine Bühne, auf der jede Kleinigkeit plötzlich Bedeutung bekommen kann. Genau das macht Recherche für mich spannend: Man sieht Orte irgendwann nicht mehr nur als Besucher, sondern mit den Augen der Geschichte.
Was bleibt – und was sich verändert
„Tödliches Handicap“ ist der zweite Fall der Reihe. Manche Dinge bleiben: Mallorca als mehr als nur Kulisse, die Mischung aus persönlicher Geschichte und gesellschaftlichen Konflikten, und Georg Rothenburg, der immer tiefer in die Ermittlungen hineingerät.
Gleichzeitig verändert sich seine Rolle. Was in „Rotwein im Blut“ noch stark aus den Umständen entsteht, bekommt nun einen offizielleren Rahmen. Georg wird als Berater der Polizei in Palma hinzugezogen. Damit wächst nicht nur sein Einfluss auf die Ermittlungen, sondern auch seine Verantwortung. Aus Neugier wird Beteiligung.
Und natürlich gibt es neue Figuren, neue Konflikte und neue Seiten Mallorcas, die bisher noch keine Rolle gespielt haben.
Hinter den gepflegten Greens
Was mich an diesem Roman besonders reizt, ist der Gegensatz zwischen Oberfläche und Wirklichkeit. Ein Golfplatz wirkt kontrolliert, ruhig und fast perfekt. Genau deshalb eignet er sich so gut als Schauplatz für eine Geschichte über Dinge, die eben nicht kontrollierbar sind: Gier, Angst, Loyalität, verletzte Interessen und Entscheidungen, die irgendwann nicht mehr rückgängig gemacht werden können.
„Tödliches Handicap“ beginnt deshalb an einem Ort, an dem eigentlich alles geordnet sein sollte.
Und genau dort gerät etwas aus dem Gleichgewicht.
